Ganzheitliche Schmerztherapie
5-8 Millionen Menschen leiden an schweren chronischen Schmerzen und etwa 40% von ihnen sind nicht ausreichend behandelt. Das wollen wir mit einem ganzheitlichen Therapieansatz ändern.
Der akute Schmerz, den wir alle aus dem täglichen Leben kennen, hat eine wichtige Warnfunktion, um weitere Schäden zu verhindern und durch Schonung eine Heilung einzuleiten (z.B. Verbrennung, Knochenbruch).
Das trifft auf den chronischen Schmerz nicht zu. Er hat sich verselbstständigt und ist im Prinzip eine Fehlfunktion der Nervenzellen,
die eine Schmerzwahrnehmung ohne entsprechende Ursache signalisieren.
Wie entsteht chronischer Schmerz?
Sendet eine Nervenzelle zu lange und dauerhaft einen Impuls an das Gehirn (z.B. bei Gürtelrose, Bandscheiben-Vorfall), verändert sich ihr Stoffwechsel. Sie wird überreizt und kann sich nicht mehr ausschalten. Auch wenn kein Reiz mehr vorhanden ist, sendet sie ständig Schmerzimpulse weiter. Es ist sozusagen ein Defekt in der Festplatte unseres Nervensystems eingebrannt. Die Hirnforschung der letzten Jahre konnte eindrucksvoll zeigen, wie sich in der Folge die Schmerzleitungen im Rückenmark und Gehirn so verändern, dass der Schmerz immer stärker wird, harmlose Berührungen schon als Schmerz wahrgenommen werden und der Schmerz auf immer größere Teile des Körpers übergreift. Wichtige Teile des Gehirns werden so verändert, dass sie den Schmerz selbst unterhalten. Wir sprechen von einem Schmerzgedächtnis und von einer Schmerzkrankheit.
Wie erkennt man chronischen Schmerz?
Dauert ein Schmerz mehr als 6 Monate, handelt es sich meistens um einen chronischen Schmerz. Es kann sich sowohl um einen Dauerschmerz als auch um einen anfallsartigen Schmerz oder eine Kombination aus beiden handeln. Es gibt verschiedene Chronifizierungsursachen. Wichtige Faktoren in diesem Verlauf sind gehäufte Krankenhausaufenthalte, Operationen und Kurmaßnahmen. Erschwerend kommt hinzu, dass Stress, Stimmungsschwankungen und Witterungseinflüsse die Schmerzen verstärken. Ein zunehmendes Stimmungstief, schlechter Schlaf und eine verminderte Leistungsfähigkeit führen zu einem Rückzug aus Freizeit-Aktivitäten, Hobbies und Freundeskreis mit Gefährdung und oft Verlust von Partnerschaft und Arbeitsplatz. Hierdurch werden die Schmerzen weiter verstärkt. Es ist ein Teufelskreis entstanden.
Die häufigsten chronischen Schmerzen sind
- Rückenschmerzen (z.B. Bandscheibenvorfall)
- Kopfschmerzen
- Gelenkverschleiß
- Rheumatische Schmerzen einschl. Fibromyalgie
- Neuralgien (z.B. Trigeminus, Gürtelrose)
- Tumorschmerzen
- Phantomschmerz (z.B. nach Amputation)
Wie erfolgt die Diagnose "chronischer Schmerz" ?
Der ausgebildete Schmerztherapeut wird sich Zeit für eine genaue Schmerzanamnese nehmen und ihren Schmerz klassifizieren in
- peripherer Schmerz (Nozizeptorschmerz)
- Nervenschmerz (z.B. Gürtelrose, Trigeminusneuralgie)
- fortgeleiteter Schmerz ( über sogenannte "Head-Zonen" wird beim Schaden eines inneren Organes Schmerz auf ein bestimmtes Hautareal projeziert)
- zentraler Schmerz (z.B. MS, nach Schlaganfall)
- psychischer bzw. psychosomatischer Schmerz
Ein chronischer Schmerz enthält häufig verschiedene Schmerzkomponenten. Oft werden hierzu Schmerzfragebögen verwendet, meist ist es sinnvoll, ein Schmerztagebuch zu führen.
Das Sichten von Vorbefunden ist genauso wichtig wie das Ausloten des beruflichen und sozialen Umfeldes und der emotionalen Situation.
Chronischen Schmerz ohne Beteiligung der Psyche gibt es nicht !
Wie kann man chronische Schmerzen behandeln?
Entsprechend der verschiedenen Ursachen und verstärkenden Faktoren sollte die Behandlung eines chronischen Schmerzes immer ganzheitlich sein, d.h.
körperliche, soziale und emotionale Aspekte mit umfassen.
Medikamente sind fast immer notwendig und müssen nach einem festen Zeitschema eingenommen werden, um einen konstanten Wirkspiegel zu erzeugen und den Teufelskreis der Chronifizierung und Schmerz-verstärkung zu durchbrechen. Durch ein festes Zeitschema wird auch eine Abhängigkeit mit Dosissteigerung fast immer vermieden. Ebenso wichtig ist aber auch eine zusätzliche Bedarfsmedikation für Schmerzspitzen.
Die medikamentöse Schmerztherapie wird nach WHO-Richtlinien in 3 Stufen unterteilt:
- Stufe 1: Rheumamedikamente wie Diclofenac, Paracetamol, Novaminsulfon bei leichteren - Schmerzen
- Stufe 2: leichte Opioide bei mäßig starken bis starken Schmerzen (Codein, Tramadol, - Tilidin)
- Stufe 3: starke Opioide ( auf BTM-Rezept) bei starken bis stärksten Schmerzen.
Um die körpereigenen schmerzvermindernden Systeme zu stärken, ist es fast immer nötig, spezielle Mittel aus der Gruppe der Antidepressiva zu kombinieren, die bestimmte Überträgerstoffe im Gehirn stimulieren und damit Schmerzen lindern können. Bei besonderen Schmerzformen kommen zusätzlich entkrampfende und muskelentspannende Zusatz-Medikamente zum Einsatz.
Bei Kopfschmerzen steht nicht selten ein Entzug von bestimmten Schmerzmedikamenten am Anfang der Behandlung, die für die Auslösung und Chronifizierung der Krankheit oft mit verantwortlich sind.
Bei sehr starken Schmerzen können Nervenblockaden und implantierbare Schmerzmittelpumpen eingesetzt werden.
Zusätzliche alternative Wege aus dem Schmerz
Die beste Hilfe aus der Schmerzspirale finden Patienten häufig bei ganzheitlich arbeitenden Schmerztherapeuten, die nach neuesten wissenschaftlichen Konzepten weitere sinnvolle Maßnahmen kombinieren. Hierdurch kann das Schmerzgedächtnis sozusagen auch wieder gelöscht bzw. überschrieben werden.
- Mit TENS (= transkutane elektrische Nervenstimulation) werden oberflächliche Nerven über Klebe-Elektroden nach bestimmten Behandlungs-Schemata gereizt und dadurch schmerzhemmende Systeme des Rückenmarks aktiviert.
- Akupunktur
- Störfeld-Diagnostik und –therapie ( chronische Entzündungsherde z.B. Nasennebenhöhlen / Zähne; Narben; Fehlfunktionen von Zähnen und Kiefergelenk, nicht ausgeheilte Infekte, Belastungen mit Schwermetallen (Zahnfüllungen) oder chemischen Stoffen können chronische Schmerzen verursachen.
Sie können mit Akupunkur-Techniken diagnostiziert und auf vielfältige Weise therapiert werden ( homöopathisch, neuraltherapeutisch, zahnärztlich, kieferorthopädisch, osteopathisch)
- Krankengymnastik
- Bewegungstherapie zur Energiestärkung( Tai Chi, Qigong)
- Verhaltenstherapie mit Biofeedback
- autogenes Training, Yoga, Mudras
- Hypnose
- Verbesserung des Säure-Basen-Haushaltes
- Homöopathische Behandlung
- Blütentherapie (Bachblüten, australische und kalifornische living-Essenzen)
Die Löschung des Schmerzgedächtnisses bedarf unbedingt der Mitarbeit des Patienten. Die Umstellung von Lebensgewohnheiten und Ernährung, regelmäßige Bewegung, und auch Veränderungen am Arbeitsplatz können den Schmerzalltag positiv beeinflussen. Positive Erlebnisse machen Mut und heben die Stimmung. Das kurbelt das körpereigene System der Schmerzhemmung an und der Schmerzmittelbedarf sinkt.